Re-Use-Pilotprojekt für eine zukunftsfähige Wasserrettungsstation

NBL Studio gGmbH

In der Josef-Nawrocki-Straße in Treptow-Köpenick entsteht ein nachhaltiger, kreislaufgerechter Neubau für den Wasserrettungsdienst Friedrichshagen. Erstmals setzt die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) bei einem landeseigenen Gebäude systematisch auf die Wiederverwendung von Bauteilen aus anderen Rückbau- und Sanierungsprojekten. Fassadenpaneele, Leuchten und weitere Elemente erhalten so ein zweites Leben. Ziel des Re-Use-Pilotprojekts ist es, Ressourcen zu schonen, CO₂-Emissionen zu reduzieren und Erkenntnisse für zukünftige Bauvorhaben zu gewinnen.

Dazu BIM-Geschäftsführer Dr. Matthias Hardinghaus: „Re-Use im öffentlichen Bauen erfordert klare Regelungen für Vergabe, Haftung und Qualitätssicherung sowie eine frühzeitige Abstimmung zwischen Planung, Rückbau und Bauausführung. Transparente Informationen zu Verfügbarkeit und Zustand der Bauteile sind entscheidend, um Kosten, Termine und technische Anforderungen verlässlich zu planen. Mit den Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt setzen wir wichtige Impulse für eine kreislaufgerechte Baupraxis im Land Berlin.“

Schwerpunkte des Projekts:

  • Re-Use: Wiederverwendung von Bauteilen aus dem Gebäudebestand der BIM 

  • Ganzheitliche Lebenszyklusbetrachtung: Berücksichtigung Grauer Energie sowie von Rückbau- und Wiederverwertungsoptionen 

  • Energieeffizienz: Einsatz moderner, energieeffizienter Gebäudetechnik, u.a. Photovoltaik

Re-Use statt Abriss
Im Zentrum des Projekts steht das Re-Use-Prinzip. Wiederverwendet werden etwa Fassadenpaneele, die in einem Getränkemarkt auf dem Dragonerareal in Kreuzberg als Schallschutzverkleidung dienten, sowie Deckenleuchten aus einem landeseigenen Gebäude am Fehrbelliner Platz 2. Auch Materialien des bestehenden Wasserrettungsgebäudes fließen in den Neubau ein – darunter die kugelförmigen Außenleuchten sowie Beton aus dem Rückbau, der als Schüttmaterial eingesetzt wird. Der Ansatz ist ganzheitlich: Neben der Wiederverwendung einzelner Bauteile werden der gesamte Lebenszyklus des Gebäudes, spätere Rückbauoptionen sowie die Reduzierung Grauer Energien von Beginn an mitgedacht.

Holzbau, Photovoltaik, geringe Umweltbelastung
Die neue Wasserrettungsstation wird in Holzbauweise errichtet. Zum Einsatz kommen überwiegend natürliche und kreislauffähige Baustoffe wie Holzfaserdämmung, Lehmputz und Stroh. Diese ermöglichen einen ressourcenschonenden Bau und schaffen zugleich die Voraussetzung für einen sortenreinen Rückbau in der Zukunft. Für den Betrieb ist eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher vorgesehen, die einen hohen Eigenversorgungsgrad sicherstellt. Ergänzend sorgen effiziente Heiz- und Warmwassersysteme für einen deutlich reduzierten Energieverbrauch.

Bauablauf
Nach der Errichtung einer temporären Baustraße durch den Müggelpark beginnt im März der Rückbau des Bestandsgebäudes. Die Grundsteinlegung ist für das zweite Quartal 2026 vorgesehen, die Fertigstellung für das zweite Quartal 2027. Die Baustraße dient dem Schutz der Grünflächen und wird nach Abschluss der Arbeiten vollständig zurückgebaut. Der Neubau erhält ein zusätzliches Geschoss und bietet künftig Platz für zwei Wasserrettungsboote sowie bis zu 16 Einsatzkräfte. Während der Bauzeit ist der Wasserrettungsdienst auf dem Gelände der Seglergemeinschaft am Müggelsee im Müggelschlößchenweg 70 untergebracht.

Reallabor
Der Neu- und Erweiterungsbau des WRD Friedrichshagen ist als Reallabor für kreislaufgerechtes Bauen angelegt. Studierende der Technischen Universität Berlin entwickelten im Rahmen mehrerer Entwurfs- und Forschungssemester innovative Konzepte für eine neue Wasserrettungsstation am Standort Friedrichshagen. Diese flossen in die Entwurfsplanung des Neubaus ein.

Über die Wasserrettungsdienste
Die Berliner Wasserrettungsdienste sind ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Sicherheitsinfrastruktur. Viele Stationen werden durch ehrenamtliche Rettungsschwimmer:innen betrieben, die einen wichtigen Beitrag für unsere Stadtgesellschaft leisten. Die BIM bewirtschaftet insgesamt 37 Wasserrettungsstationen, die den Organisationen DLRG und ASB bereitgestellt werden.

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