Kultur

Zum 1. Januar 2009 ging die erste Tranche von Berliner Kultureinrichtungen in den Bestand der BIM über. Das Berliner Abgeordnetenhaus setzte mit diesem Schritt großes Vertrauen in die Kompetenz der Gesellschaft. Zu den Kulturimmobilien der ersten Stunde gehörten beispielsweise das Berliner Ensemble, die Berlinische Galerie, das Konzerthaus und das Technikmuseum. Der Erfolg gab allen Beteiligten recht. Im Jahr 2011 vertiefte die BIM ihre Zusammenarbeit mit den Berliner Kultureinrichtungen durch die Aufnahme der zweiten Tranche in das Portfolio, darunter die Stiftung Stadtmuseum mit der Nikolaikirche, das Bauhaus-Archiv und die Berliner Philharmonie. Auch im Jahr 2012 wuchs die Zahl der von der BIM betreuten Kultureinrichtungen weiter an, etwa um die Volksbühne und die Gedenkstätte Hohenschönhausen. Insgesamt umfasst das Kulturportfolio nun circa 230 Gebäude auf rund 550.000 Quadratmetern Fläche.

Brandenburger Tor

Berlins höchster Pferdestall

Es hat sechs Geschosse, 32 Fenster und 40 Türen und ist als einziges von ehemals 18 Stadttoren erhalten geblieben, an die heute nur noch Straßennamen, Plätze oder Haltestellen erinnern. Mit Beginn des neuen Jahres gehört das geschichtsträchtigste Wahrzeichen der Stadt zum Portfolio der BIM. Seit seiner Entstehung im Jahre 1734 wurde es entweder abgerissen, aufgebaut, renoviert, zerstört, wieder aufgebaut, und dabei jedes Mal verändert. 1926, als der Torbau wieder einmal generalüberholt werden musste, wurde er einschließlich der Quadriga eingerüstet, was die Berliner mit der Bezeichnung: "Berlins höchster Pferdestall" quittierten.

Der erste Bau hatte verschließbare Holztore und war umgeben von einem Wachlokal, einem Haus für Steuerbeamte und einem Spritzenhaus. 1788 erkannte man: "Die Lage des Brandenburger Thores ist in ihrer Art ohnstreitig die schönste von der ganzen Welt...". 1789 begann Carl Gotthard Langhans (1732-1808), Direktor des Oberhofbauamtes, mit dem Bau eines neuen Torhauses. Als Modell diente ihm das Athener Stadttor. Bei der Einweihung im August 1791 waren fünfhunderttausend Taler ausgegeben, 1240 Quadratfuß Eisenblech, 991 Fuhren Erde und 389 Fuhren Schutt zu Wasser bewegt worden. Das Tor war 65,5 Meter breit, hatte eine Tiefe von 11 Metern und mit der von Potsdamer Kupferschmieden nach einem Entwurf von Johann Gottfried Schadow (1764-1850) zwei Jahre später fertiggestellten Quadriga - bestehend aus Pferden, Wagen und der Friedensgöttin Victoria - 26 Meter hoch. Weil Victoria nackt war, musste für sie umgehend ein kupferner Mantel nachgegossen werden.

1806, im Oktober, ritt Kaiser Napoleon durch das Brandenburger Tor als Sieger über Preußen in die Stadt ein. Er nahm, als er die Stadt verließ, die Quadriga mit. 1814 war sie wieder da, verpackt in 15 Kisten und gezogen von 52 Pferden. Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) bekam den Auftrag, Victoria neue Insignien zu verpassen, die aus ihr eine Siegesgöttin machten. Als am Abend des 21. März 1933 die Nationalsozialisten unter gewaltigem Getöse mit einem Fackelzug durch das Tor marschierten, gingen die Bilder um die ganze Welt. Wenn bis dato Berliner durch das Tor flanierten, Kaiser und Könige Einzug hielten, waren nun furchteinflößende Militärparaden an der Tagesordnung. Marschiert und gejubelt wurde bis 1943 und bis das Kupferdach als kriegswichtiges Material abgenommen und das Tor als Panzersperre verbarrikadiert wurde.

Am 1. Mai 1945 nahm die Rote Armee das kriegszerstörte Gebäude ein. Vier Jahre später, nach der Teilung der Stadt, befand sich das Tor im Ostsektor. 1956 wurden Tor und Quadriga in relativ friedlicher Zusammenarbeit zwischen Ost und West instand gesetzt. 1961, durch den Bau der Mauer, geriet das Stadttor zum sozialistischen Grenzwall. 28 Jahre später tanzten und jubelten die Berliner auf der Mauer, und wieder gingen die Bilder vom Brandenburger Tor um die ganze Welt. Jahr für Jahre findet seitdem an diesem Platz die große Sylvester-Party statt.

Im Nordflügel des Gebäudes gibt es seit 1994 eine Besonderheit: den Raum der Stille, der nach einem Vorbild des Meditationsraums im Haus der Vereinten Nationen in New York entstanden ist. Mit seiner Einladung, inne zu halten und sich vom Lärm zu entfernen, nimmt er den Grundgedanken des Baumeister Langhans auf, der das Tor einst mit einer Friedensgöttin bekrönen ließ.

Quellen: Rainer Laabs: "Das Brandenburger Tor - Brennpunkt deutscher Geschichte", Wikipedia

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