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BIM schafft als erstes Unternehmen im Land Berlin ökologische Ausgleichsflächen für zukünftige Baumaßnahmen

Auf dem Gelände der ehemaligen Bezirksgärtnerei im Diedersdorfer Weg 5-11 in Tempelhof-Schöneberg entsteht derzeit ein sogenanntes naturschutzrechtliches Ökokonto der BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). Ziel dieses ersten, naturschutzrechtlichen Ökokontos Berlins ist es, renaturierte Flächen als Ausgleich für landeseigene Baumaßnahmen in Berlin zu schaffen, bei denen beispielsweise Sträucher, Gehölz und Wiesen weichen müssen und der Boden versiegelt wird. Gleichzeitig soll ein Guthaben für zukünftige Projekte aufgebaut werden. „Bisher wurden von der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz bauleitplanerische Ökokonten eingerichtet. Das hier entstehende ökologische Guthaben soll zunächst Projekten der BIM vorbehalten sein, bei denen ein Eingriff in die Natur unumgänglich ist“, erklärt Sven Lemiss, Geschäftsführer der BIM, zu den Hintergründen. „Schlussendlich wollen wir damit erreichen, dass die oft langwierige Suche nach Ausgleichsflächen im verdichteten Berlin nicht mehr zu Verzögerungen von Planungs- und Bauvorhaben führt, wie es derzeit allein bei acht Neubauten für die Freiwillige Feuerwehr der Fall ist“, so Lemiss weiter. Langfristig ist angedacht, Teilflächen auch an Dritte zur Kompensation abzugeben. 

Dr. Silke Karcher, Staatssekretärin für Umwelt und Klimaschutz: „Künftige Eingriffe in das Berliner Stadtgrün müssen an anderer Stelle ausgeglichen werden. Ich freue mich, dass auch die BIM hier ein naturschutzrechtliches Ökokonto einrichtet und betreibt. Das kommt sowohl dem Klimaschutz als auch den Unternehmen zugute. Es ergänzt das bauleitplanerische Ökokonto des Senats.“

Jörn Oltmann, Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg: „Ich hoffe sehr, dass das Ökokonto für den Diedersdorfer Weg beispielgebend ist für alle wichtigen Wohnungsbauvorhaben und Bauvorhaben der sozialen Infrastruktur, bei denen der Ausgleich für Eingriffe in die Natur und Umwelt auf eigenem Grundstück nicht gelingt. Das Projekt zeigt in jedem Fall, dass die komplexen Probleme unserer Zeit nur innovativ und in Kooperation zwischen Senat und Bezirk zu lösen sind.“

Angelika Schöttler, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg und Stadträtin für Stadtentwicklung und Facility Management: „Ich begrüße das Pilotprojekt am Diedersdorfer Weg 5-11 sehr. Mit dem Instrument Ökokonto wird ein positives Zeichen für den behutsamen Umgang mit bewachsenen Flächen in Tempelhof-Schöneberg gesetzt, denn dem ersatzlosen Weichen von Flora und Fauna zugunsten von Baumaßnahmen sollte in jedem Fall Abhilfe geschaffen werden.“

Saskia Ellenbeck, Bezirksstadträtin für Ordnung, Straßen, Grünflächen, Umwelt und Naturschutz: „Ich freue mich, dass das Instrument des Ökokontos erstmalig im Bezirk Tempelhof-Schöneberg eingerichtet und angewendet werden kann. Die Konzeption und Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung zwischen BIM und dem bezirklichen Umwelt- und Naturschutzamt. Durch die Maßnahmen können qualitativ hochwertige Ersatzmaßnahmen umgesetzt und gebündelt werden, die einen echten Ausgleich für externe Eingriffe darstellen. Die neu angelegten Biotope sollen als hochwertiger Naturerlebnisraum im Rahmen von Führungen erschlossen und erläutert werden. Ergänzende Informationsangebote werden vorbereitet. Damit entsteht ein attraktives Erholungsangebot und Nutzungsangebot im südliche Teil unseres Bezirks.“

Der Bereich des Ökokontos wird etwa 44.000 m² der 75.000 m² großen Fläche der früheren Bezirksgärtnerei einnehmen. Nach dem Abriss der acht Gewächshäuser, diverser Massivbauten und der Entsiegelung des Bodens wird das landeseigene Areal im Laufe des Jahres renaturiert und in verschiedene Biotop-Typen aufgeteilt: u. a. werden Trockenrasen, Wiesen und Gehölze angelegt. Die Währung bzw. Maßeinheit eines Ökokontos nennt sich Wertpunkt. „Je größer der Eingriff in die Natur, desto mehr Wertpunkte müssen von dem Konto abgebucht werden. Das Wertpunktguthaben wird erst durch vorgelagerte Maßnahmen aufgebaut. Berechnet werden die Wertpunkte von Gutachterbüros anhand des Berliner Leitfadens zur Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen“, erläutert Sven Lemiss. Mit der Umsetzung der Maßnahmen entsteht ein Anspruch, diese als Ausgleichs und Ersatzmaßnahmen einzusetzen. Dieser Anspruch ist handelbar, kann also auch von Dritten erworben werden. Das Ökokonto in Marienfelde wird insgesamt Raum für ca. 1.600 Wertpunkte bieten. Über die Vergabe der Ausgleichsflächen entscheidet in Marienfelde allein die BIM. 

Auf dem Grundstück, aber außerhalb des Ökokontos, ist zudem die Ansiedlung einer neuen Kita mit Fokus auf Umwelt und Natur als Nutzungsmöglichkeit für das einzig verbleibende Gebäude angedacht. Zudem soll es auf Teilen des umzäunten Geländes sowie auf einer weiteren, angrenzenden BIM-Liegenschaft Platz für Bildungsangebote des Bezirks und des derzeitigen Mieters Naturwacht Berlin e. V. geben. Die Gesamtkosten für die Maßnahmen liegen bei rund einer Millionen Euro. 

Derzeit werden weitere Flächen hinsichtlich ihres Potentials für ein kompensierendes Ökokonto geprüft. Dazu zählt auch die ehemalige Polizei-Liegenschaft An der Margaretenhöhe 65 in Berlin-Lichtenberg.

(Foto: Planungsgruppe Cassens +Siewert/Josef Wittstock)