Mit der Durchführung des Fassadenwettbewerbs wurde das Architekturbüro C4C beauftragt. Ziel des Wettbewerbs war es, einen geeigneten Auftragnehmer für die weitere Planung der Fassade zu finden.

Bild: C4C - competence for competitions

Gesucht wurde eine gestalterisch anspruchsvolle Lösung mit eigener Identität und architektonischer Haltung, um diesem bedeutenden Ort in der Stadtmitte ein neues und angemessenes Gesicht zu geben. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 171.000 Euro ausgelobt. Im Wettbewerb mussten zwei voneinander unabhängige Realisierungsschritte bearbeitet werden: Zum einen sollte ein Konzept für die Fassadengestaltung und -sanierung entwickelt werden. Zum anderen will man Lösungen finden, welche den an das Haus angrenzenden Straßenraum zur Otto-Braun-Straße neu strukturieren. Dabei sollten auch Ergänzungsmöglichkeiten der Bestandsgebäude erörtert werden.

Zur Durchführung des Wettbewerbs

Bis zum 17. April konnten Pläne und Modelle eingereicht werden. In der ersten Sitzung der Jury, in der sich neben BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss unter anderem Vertreter aller beteiligten Partner befinden, wurden insgesamt 81 Einsendungen ausgewertet. Beraten wurden die Preisrichter von fünf Sachverständigen, welche die Arbeiten auch im Rahmen der Vorprüfung auf spezifische Themen, unter anderem im Hinblick auf Realisierbarkeit, Kosten und Nachhaltigkeit, hin begutachtet haben. Bewertet wurden in erster Linie die städtebauliche und architektonische Idee, die Erfüllung der Funktionsanforderungen sowie die technische Konzeption. Auch besondere Anforderungen, zum Beispiel an Technik, Schall- und Wärmeschutz, mussten beachtet werden. Gleichzeitig sollten die Entwürfe technisch realisierbar und finanziell angemessen sein. Im Erdgeschossbereich sollten auch öffentliche und halböffentliche Nutzungen, beispielsweise als Shops, Cafeteria, Ausstellungsflächen oder Besprechungsräume, ermöglicht werden.

Auf der Grundlage der anonym eingereichten Beiträge hatte die Jury nach dem ersten Preisgericht nun 14 Wettbewerbsbeiträge zur weiteren Ausarbeitung in der zweiten Phase ermittelt. In dieser wurden bis Juni die städtebaulichen, architektonischen und funktionalen Konzepte weiterentwickelt und detailliert ausgearbeitet.

Der Gewinnerentwurf

Die Gewinner des Wettbewerbs wurden in der zweiten Sitzung der Jury Ende Juli gekürt. Die Wettbewerbsjury entschied sich für einen Entwurf des Berliner Architekturbüros de+ architekten, der eine moderne Wiederherstellung der Fassade vorsieht.

     

Der Siegerentwurf des Berliner Architektenbüros de+ architekten

     

In dem Entwurf ist die Fassade farblich fast komplett in Weiß gehalten. Die Brüstungselemente werden aus Carbonbeton, Dämmkern und konstruktivem Leichtbeton konzipiert und auf die Bestandsdecken montiert. Zudem soll ein neuer Baukörper entlang der Otto-Braun-Straße mit einem öffentlichen Dachgarten sowie einer Grünfassade eine von Pflanzen bestimmte Umgebung für die Stadtgesellschaft zum Erholen, Treffen und Kommunizieren kreieren. Auch die Dachflächen des Bestandsgebäudes werden soweit möglich eine extensive Begrünung erhalten. Der Neubau und das Bestandsgebäude im Erdgeschoss werden mit einer großen und leicht zugänglichen Begegnungsszone für Berliner*innen und Stadtbesucher*innen verknüpft.

„Das Haus der Statistik bildet ein für das Zentrum Berlins einmaliges Gebäudeensemble, das aus bauhistorischer und geschichtlicher Sicht unbedingt erhalten werden muss. Vor diesem Hintergrund haben wir ein neues und in seiner Anmutung modernes Konzept entworfen, welches eindeutig sichtbar aus der heutigen Zeit stammt und neben der Nutzung auch mit der Ausbildung der Fassade zukunftsweisende Aspekte aufweisen soll. Der Fassadenwettbewerb ist aus unserer Sicht eines der wichtigsten öffentlichen Verfahren für eine zentrale Bauaufgabe, das in den letzten Jahren in Berlin ausgelobt wurde und wir freuen uns sehr, an der Wiederbelebung dieses einmaligen Bauwerkes mitwirken zu können", so die Architekten des Entwurfs, Claudia Euler und Jan Dilling.

Wie geht es weiter

Die Realisierung des Konzeptes erfolgt in zwei Bauabschnitten: Zuerst wird die Fassade wiederhergestellt, zu einem späteren Zeitpunkt sollen die baulichen Maßnahmen der städtebaulichen Arrondierung des Straßenraums an der Otto-Braun-Straße umgesetzt werden. Die Realisierung von Ergänzungsbauten steht jedoch unter dem Vorbehalt der bisher noch nicht erfolgten und damit noch sicher zu stellenden Finanzierung, der zeitlichen und wirtschaftlichen Realisierbarkeit sowie der baurechtlichen Genehmigung. Nach derzeitigem Stand ist der Rückbau der Fassade sowie die anschließende Errichtung der neuen Fassade ab Anfang 2022 geplant. Mitte 2023 soll die neue Fassade fertig sein.

Die Ausstellung zum Fassadenwettbewerb

Nach Beendigung des Wettbewerbs wurden alle 81 eingereichten Entwürfe anschließend in einer 1-wöchigen Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Mehrere 100 Besucher kamen in den ehemaligen Fahrrad Flöckner in der Otto-Braun-Straße 72 am Haus der Statistik, um die Ideen und Modelle zu besichtigen.

    

Ausstellungsstücke im ehem. Fahrrad Flöckner

     

Weitere Hintergründe zum Fassadenwettbewerb und der Geschichte des Gebäudes können Sie hier lesen.