Das Gebäude in der Oranienstraße 106 in Berlin-Kreuzberg entstand 1919 bis 1924 nach einem Entwurf von German Bestelmeyer als erster großer Behördenbau der Weimarer Republik für die damalige Reichsschuldenverwaltung.
Architektur
Die äußere Gestaltung des Gebäudes an der Ecke Alte Jakobstraße rief seinerzeit bei den Menschen große Bewunderung hervor, der Bau wurde mit einem "liegenden Wolkenkratzer" verglichen. Das Neue und Beeindruckende lag in der Gestaltung der schier endlosen Fassade des Komplexes.
Der sechsgeschossige Mauerwerkbau mit abgerundeter Ecke erhielt für die Außenfassade eine Klinkerverblendung, die durch breite Mauerpfeiler gegliedert ist. Die Sockel des Gebäudes wurden aus Muschelkalk gefertigt, die Fassadenfläche und Pfeiler als Sichtmauerwerk aus handgestrichenen Rathenower Ziegeln, der ornamentale wie plastische Schmuck aus Terrakotta.
Dekorative Gestaltung
Für die Ausführung der vier lebensgroßen Figuren wurde der Bildhauer Hugo Lederer beauftragt. Der Lehrstuhlinhaber an der Berliner Hochschule für Bildende Künste modellierte 1922 für das Gebäude Frauengestalten aus Ton, die Maria und Caritas darstellen und in ihrer archaisierend-antikisierenden Gestalt an Koren erinnern. Die übrige dekorative Plastik stammt vom Berliner Bildhauer Albert Kraemer.
Nutzung des Gebäudes
Am 1. April 1923 wurde der Neubau der Reichsschuldenverwaltung eingeweiht. Auch während des zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude von der Verwaltung fast bis zum Ende des Krieges genutzt.
Allerdings wurde der Bau zunächst durch Bombentreffer, später auch durch Artilleriebeschuss und Straßenkämpfe stark beschädigt. Zu sehen war dies besonders an der Ecke Alte Jakob-/Oranienstraße, wo die gesamte Fassade und die dahinter liegenden Decken eingestürzt waren.
In den ersten Nachkriegsjahren stand das Gebäude leer, obwohl ein Teil der Tresore in den Kellergeschossen intakt geblieben war. In den Jahren 1953/54 wurde die Dachkonstruktion instand gesetzt und die massiven Decken wiederhergestellt. Später wurden auch die zerstörten Terrakotta-Statuen von Hugo Lederer durch Repliken ersetzt.
Heutige Nutzer
Am 24. September 1984 wurde die ehemalige Reichsschuldenverwaltung durch den Landeskonservator Berlin als Baudenkmal unter Denkmalschutz gestellt.
Heute haben die Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und die Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz ihren Sitz in der Oranienstraße 106.