Kultur

Zum 1. Januar 2009 ging die erste Tranche von Berliner Kultureinrichtungen in den Bestand der BIM über. Das Berliner Abgeordnetenhaus setzte mit diesem Schritt großes Vertrauen in die Kompetenz der Gesellschaft. Zu den Kulturimmobilien der ersten Stunde gehörten beispielsweise das Berliner Ensemble, die Berlinische Galerie, das Konzerthaus und das Technikmuseum. Der Erfolg gab allen Beteiligten recht. Im Jahr 2011 vertiefte die BIM ihre Zusammenarbeit mit den Berliner Kultureinrichtungen durch die Aufnahme der zweiten Tranche in das Portfolio, darunter die Stiftung Stadtmuseum mit der Nikolaikirche, das Bauhaus-Archiv und die Berliner Philharmonie. Auch im Jahr 2012 wuchs die Zahl der von der BIM betreuten Kultureinrichtungen weiter an, etwa um die Volksbühne und die Gedenkstätte Hohenschönhausen. Insgesamt umfasst das Kulturportfolio nun circa 230 Gebäude auf rund 550.000 Quadratmetern Fläche.

Literaturhaus Berlin

Kultureller Treffpunkt

Das Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße wurde 1986 als erstes Literaturhaus in Deutschland eröffnet und ist seitdem ein wichtiger und beliebter kultureller Treffpunkt über die Stadtgrenzen hinaus. Der Straßenname kommt nicht von ungefähr, denn er erinnert an die 1755 von Friedrich II. dort angelegte Fasanerie. Allerdings erinnerte man sich erst 1901 wieder daran und löschte die bis dahin geltende Straßenbezeichnung.

Eigentümer des 2068 m² großen Grundstücks Nr. 23 ist heute das Land Berlin, das dem Trägerverein Literaturhaus Berlin e.V. die Nutzung übertragen hat. Der Trägerverein setzt sich aus Stiftungen und Arbeitskreisen zusammen. Vertreten sind zum Beispiel die Alfred-Döblin-Stiftung, das Literarische Colloquium, Verband der Verlage und Buchhandlungen Berlin-Brandenburg e.V. und das Haus der Kulturen der Welt. Dem Kuratorium gehört der Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten, André Schmitz, an sowie der Vorsitzende des Vereinsvorstands, Detlef Bluhm und weitere Mitglieder. Der Vorstand setzt sich neben dem Vorsitzenden aus fünf Mitgliedern zusammen. 1999 wurde außerdem ein Förderverein gegründet.

"eine stattliche Klinkervilla..."

Die heute unter Denkmalschutz stehende Stadtvilla gehörte Richard und Louise Hildebrandt. Hildebrandt fuhr zur See und ging durch seine Teilnahme als Erster Offizier an den deutschen Nordpolfahrten 1868 bis 1870 in die Geschichte ein. Theodor Fontane notierte: „Er hat neun volle Monate mit dreizehn Gefährten auf einer Eisscholle und sieben Wochen auf offenen Booten zugebracht, dabei in steter Gesellschaft eines wahnsinnig gewordenen Gelehrten.“ 1874 heiratete Hildebrandt die Industriellentochter Louise Gruson, mit der er zunächst eine großzügige Wohnung am Kurfürstendamm 118 bezog. Kommerzienrat Hermann Gruson (Inhaber der Gruson-Werke Magdeburg-Buckau) spendierte Tochter und Schwiegersohn 1889 „eine stattliche Klinkervilla mit vorgelagertem Wintergarten in der Fasanenstraße 23“, mit deren Bau er einen Schüler des berühmten Architekten August Stüler beauftragte. „Der Wintergarten erinnert an die Gewächshäuser, die der Kakteensammler Gruson der Stadt Magdeburg stiftete.“

Das Ehepaar führte ein gastliches Haus. Offiziere, Afrikaforscher, Ägyptologen, Philosophen, Maler, Schauspieler und Musiker gehörten zum Kreis der Gäste und Freunde. Hildebrandt, der zeitweise Stadtverordneter von Charlottenburg war, starb 1911. Im 1. Weltkrieg richtete Louise Hildebrandt im Haus ein Reservelazarett ein. Nach ihrem Tod im Jahr 1916 ging die Villa in den Besitz der Stadt Charlottenburg über, die eine Volksküche einrichtete.

1926 wurde der Alexander von Humboldt-Stiftung das Haus durch den Kaufhauskonzern Wertheim zur Verfügung gestellt. Die Stiftung betreute als Austauschorganisation ausländische Gäste. Nicht-Studenten hatten ebenfalls Zutritt zum Haus. Ein russischer Jugendclub nutzte den Dachboden. An den literarischen Lesungen, die veranstaltet wurden, nahm u.a. Vladimir Nabokov teil.

Vom zweiten Weltkrieg bis heute

Im zweiten Weltkrieg wurde das Dach von Nummer 23 stark beschädigt und konnte erst allmählich repariert werden. In den 50er Jahren befand sich eine Pension im Haus, danach eine Yogaschule, und im Erdgeschoss etablierte sich eine Striptease-Bar.

Mit Beginn der sechziger Jahre waren die Villen in der Fasanenstraße vom Abriss bedroht, um einer Hochstrasse und einem Hotelneubau Platz zu machen. Einer Bürgerinitiative ist zu danken, dass diese Pläne nicht realisiert wurden. 1983 verkaufte Wertheim, in dessen Besitz einige der Grundstücke in der Fasanenstraße gekommen waren, an die Stadt Berlin. Die Nummer 24 und 25 erwarb die Deutsche Bank, die Nummer 23 ging an den Kultursenator. Nun konnten die Villen im Sinne der Denkmalspflege restauriert werden und 1986 das Literaturhaus entstehen. 2006 wurde es 20 Jahre alt.

Die Literaturlesungen mit Friederike Mayröcker, F.C. Delius, Paul Auster oder Durs Grünbein, um nur einige zu nennen, desgleichen Vorträge und Ausstellungen sind ebenso beliebt wie der Besuch in der Buchhandlung Kohlhaas & Company oder im Café-Restaurant Wintergarten, die zum Ensemble gehören. Der Wintergarten ist zugleich Namengeber für den kleinen Skulpturengarten, der drei Nachbarhäuser miteinander verbindet und in den 80er Jahren durch Ulli Böhme gestaltet wurde.

Im Literaturhaus können Räume für Veranstaltungen gebucht werden, und zwei Appartements stehen auswärtigen Gästen zur Verfügung.

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