Hauptverwaltung

Die Gebäude der Berliner Hauptverwaltung bilden das Startportfolio der BIM. Bei ihrer Gründung am 7. Januar 2003 bestand das Portfolio aus 87 Dienstgebäuden mit einer Bruttogrundfläche von 852.000 m². Zu den Hauptverwaltungen zählen beispielsweise Finanzämter und Senatsverwaltungen. Die unterschiedlichsten Gebäudetypen sind in diesem Portfolio vereint. Vom historischen Alten Stadthaus in der Klosterstraße bis zum Plattenbau in Alt-Friedrichsfelde. Die Historie und Eigenheiten der unterschiedlichen Gebäudekomplexe mit einer zeitgemäßen Immobilienbewirtschaftung an einem Punkt zu vereinen, gehört zu den großen Herausforderungen der BIM.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

Hochhausfieber in Wilmersdorf

Damals, 1957, als im zerbombten Berlin noch überall riesige Schuttberge lagen, die darauf warteten beseitigt zu werden, entstand in der Württembergischen Straße Nummer 6 in Berlin-Wilmersdorf ein sensationeller Neubau für eine Behörde. Fast 50 Jahre später, als im April 2004 der BIM das Dienstgebäude der heutigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt aus dem Sondervermögen Immobilien des Landes Berlin übertragen wurde, gehörten Hochhäuser längst zum Alltag der Stadtentwicklung.

Bereits 1951 entstand der Plan für einen der größten Nachkriegsbauten, der für die Senatsbauverwaltung in West-Berlin bestimmt war. Welche Bedeutung dem Wiederaufbauwillen Berlins mit diesem Bau zuerkannt wurde, verdeutlicht die Besichtigung noch während der Bauphase durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss in Begleitung des Regierenden Bürgermeisters Otto Suhr. Gebaut wurde auf einem Kleingartengelände unweit eines in den 1930er Jahren errichteten Gebäudeensembles am Fehrbelliner Platz, das den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hatte.

Architektur

Der 18-geschossige Neubau verfügte im gesamten Bauvorhaben auf 17.000 Quadratmeter Nutzfläche über 700 Büros. 1.500 Menschen sollten darin arbeiten. Die Zeitungen sprachen von einem „Wolkenkratzer am Fehrbelliner Platz“ oder erinnerten an das „Hochhausfieber“ der 20er Jahre. Was ihn darüber hinaus von anderen Bauten unterschied, war das von dem Architekten Werry Roth bewusste Aufbrechen der Berliner Traufhöhe. Roth (1885-1958), bekannt geworden durch Theaterbauten von Breslau bis Dessau und Projekten in der NS-Zeit, versuchte mit seinem Neubau eine strikte Abkehr vom Stil der Vergangenheit. Er wurde als Anbau an das ehemalige Karstadt-Verwaltungsgebäude entworfen, in dem damals die Senatsbauverwaltung ihren Sitz hatte.

Werry Roth entwickelte zusammen mit Richard von Schubert einen zweigeteilten Bau. Hoch hinaus in der dem Preußenpark zugewandten Württembergischen Straße mit einem repräsentativen Eingangsbereich, sechs Geschosse in der Pommerschen Straße für den Publikumsverkehr. Roth beschreibt seinen Stahlbetonskelettbau in einer ausführlichen Studie u.a. wie folgt: „Die Abmessungen des (…) Hochhauses betragen 71,21 Meter Länge und 15,70 Meter Breite. Die Höhe beträgt bei 3,30 Metern Geschosshöhe 61,20 Meter von Oberkante Erdgeschoß Fußboden bis Oberkante Dach. Die Stützen des Hochhauses und der sechsgeschossigen Bauteile sind nach außen hin mit Betonwerkstein verkleidet. Die Sturzbalken sind in Sichtbeton ausgeführt. Die Brüstungen aus Iton-Steinen gemauert und außen mit Eternitplatten bekleidet.“

Zwischen den Bauteilen befindet sich ein 3.000 Quadratmeter großer, bepflanzter Hofbereich. Auf die gasbeheizte Kantine für 160 Personen wird in der Beschreibung ebenso hingewiesen wie auf die Personenaufzüge, eine Müllschluckanlage, Dienst- und Waschräume für das Kantinenpersonal, zwei Dienstwohnungen, Lager-, Kühl- und Vorratsräume im Kellerbereich einschließlich der Koksvorräte.

Der Clou des Gebäudes aber war und ist ein 200 Quadratmeter großer Sitzungssaal in einem vorgelagerten und großzügig verglasten, zweigeschossigen Erker oberhalb des Foyers in der Württembergischen Straße. Transparenz war die Devise, mit der die Verwaltung in der Öffentlichkeit erscheinen wollte. Wenn man diesen Erker heute kaum noch wahrnimmt, liegt es an den Straßenbäumen, die inzwischen in die Höhe geschossen sind. 

Als leicht, heiter und zeittypisch werden die farbigen Keramik-Mosaiken beschrieben, die Professor Hermann Kirchberger (1905-1986) entwarf und die das Hochhaus schmücken. Kirchberger, Dozent für Wandmalerei an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste Weimar, hat nach dem Wechsel nach West-Berlin u.a. die Fenster im Foyer des Rathauses Schöneberg gestaltet.

Mängelbeseitigung durch die BIM

Wie nicht anders zu erwarten, wurde die Mängelliste, die die BIM 2004 bei der Übernahme der Bewirtschaftung aufstellte, umfangreich. Sie beinhaltete undichte und klemmende Fenster, Rissbildungen in Putzflächen und Wänden, defekte Bodenbeläge und vieles mehr. Bei 27.000 Quadratmetern denkmalgeschützter Gesamtfläche war und bleibt viel zu tun. Den Brandschutz auf den sichersten und zeitgerechten Stand zu bringen, war das vorrangige Ziel. Im Hochhausteil hat die BIM inzwischen einen Feuerwehraufzug erreichtet, die drei Aufzüge im Eingangsbereich behindertengerecht saniert.

Auch das Saalfoyer im 1. OG wurde brandschutzgerecht wieder hergestellt und der Glaserker, das ehemalige Schmuckstück des Hauses, denkmalgerecht hergerichtet. Ein erster Schritt dafür war die bereits vor Jahren erfolgte Freilegung der Mosaiken an den tragenden Pfeilern des Saales. Was einmal ein Kohlenkeller war, kann nun als Archiv genutzt werden. Um Lasten vom Hofniveau aus entgegen zu nehmen, wurden zwei Kelleraufzüge entsprechend gesteuert. Weil es möglich war, die ehemalige Poststelle zu verlagern, konnte ein sehr schöner Raum für Baupläne und Ausstellungen gewonnen werden.

Wegen des Stahlbetonskeletts ist der Plan, die Fassade des Hauses zu sanieren und energetisch zu ertüchtigen, nicht ohne Tücken. An einer kleinteiligen Musterfassade und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wird nach einer alternativen Lösung gesucht.

Quelle: Denkmalpflegerische Studie Burckhardt Fischer und Ingenieure, Gesellschaft von Architekten mbH

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