Ausgabe: 4/2011
Wir berichten zum Jahresabschluss von einer kleinen Straße mit einem großen Namen und wie kompliziert es ist, einer Straße überhaupt einen Namen zu geben. „Tut auf die schöne Pforte“ wurde bei der feierlichen Wiedereinweihung der JVA-Kirche in Plötzensee gesungen. Unser Reporter Markus Hanfler war unterwegs, um den schönsten Weihnachtsbaum zu finden. Kunst ohne Dach schmückt die Stadt, und Berlins höchster Pferdestall ist an Berlins schönstem Platz zu bewundern.
Mit diesem heiter-besinnlichen Ausklang sendet Ihnen die BIM gute Wünsche für die kommende Zeit und für das Jahr 2012.
Sven Lemiss
Geschäftsführer
Ein verdienstvoller Name für eine neue Straße
Zwischen Alexander- und Wadzeckstraße in Berlin-Mitte entstand durch einen Neubau eine schmale Verbindungsstraße, die am 24. Oktober 2011 auf Vorschlag der Bezirksverordnetenversammlung nach dem ehemaligen Polizeivizepräsidenten Bernhard Weiß benannt wurde. Die feierliche Namengebung, zu der Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke eingeladen hatte, wurde u. a. von Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers, Bezirksverordneten-Vorsteher Ulrich Dawitz und dem Buch-Autor Dr. Joachim Rott begleitet. Nachdem das Polizeiorchester Berliner Weisen intoniert und sich von dem recht kühlen Wetter nicht hatte unterkriegen lassen, begrüßte Dr. Hanke die Anwesenden und hob neben Innensenator Erhart Körting besonders die Teilnahme der einzigen noch lebenden Verwandten von Bernhard Weiß hervor, die zusammen mit Margarete Koppers das mit einer Girlande geschmückte Straßenschild enthüllte.

Margarete Koppers entwarf in ihrer Würdigung für Bernhard Weiß das Bild eines Deutschen und Preußen zu einer Zeit, als man überzeugt war, stolz darauf sein zu können. Weiß wurde 1880 in Berlin geboren, studierte Rechtswissenschaften und promovierte. 1918 wurde er Stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei in Berlin, 1920 Chef der Politischen Kriminalpolizei und 1927 Vizepolizeipräsident. Er war „… der erste ungetaufte Jude im Innenministerium und der erste, der diese Grenze im Preußischen Staat überschritten hatte…“, sagte Michael Berger, Vorsitzender des Bundes jüdischer Soldaten 2009 in einer Rede zur Verleihung der ersten Bernhard-Weiß-Medaille für Toleranz und Verständigung…“. . Und weiter: „Der ‚Vipoprä‘, so nannten ihn liebevoll die Berliner, war ein Mann der Gegensätze, … geprägt von preußischen Tugenden, klein von Statur, groß im verantwortlichen Handeln…“. Durch ihn entstand der Begriff von der Polizei „als Helfer und Freund“.
Als Walther Rathenau, Reichsaußenminister der Weimarer Republik, mosaischen Glaubens wie Weiß, am 24. Juni 1922 auf dem Weg ins Amt in der Grunewalder Koenigsallee erschossen wurde, leitete Weiß die Ermittlungen unter für die damalige Zeit ungewöhnlicher Einbeziehung der Presse. Er wandte sich mit einem Fahndungsaufruf an die Öffentlichkeit und setzte darauf, „…dass die Empörung über die Ermordung Rathenaus sich in der ‚regsten Beteiligung des Publikums an der Aufklärung des Verbrechens‘ niederschlüge“, hält Martin Sabrow in seinem Buch „Die verdrängte Verschwörung“ fest. Rathenaus Ermordung war das erste Anzeichen für kommendes Unheil. Der damalige NSDAP-Gauleiter Joseph Göbbels hatte ihn sich zu seinem persönlichen Feind ausgesucht und überhäufte ihn mit Beleidigungen und Drohungen, gegen die sich Weiß in mehreren Prozessen erfolgreich wehrte. 1933, nach dem Wahlsieg der Nationalsozialisten, mußte Weiß um sein Leben fürchten. Er flüchtete nach London und wurde als Erster aus dem Deutschen Reich ausgebürgert. Der Neustart in England mit einem eigenen kleinen grafischen Betrieb fiel bescheiden aus.
1949, nach einem Besuch in Berlin, schrieb er an den damaligen Oberbürgermeister Ernst Reuter, der ihn bat, beim Wiederaufbau der Berliner Polizei mitzuwirken: „Es ist mein sehnlichster Lebenswunsch, nach Berlin zurückzukehren“. Dieser Wunsch ging nicht mehr in Erfüllung. Immerhin: die Nachricht über seine Wiedereinbürgerung erreiche Bernhard Weiß wenige Tage vor seinem Tod im Juli 1951 in London.
Die Straßenumbenennung hat zur Folge, dass alle Anlieger nun eine neue Adresse bekommen haben. Dazu gehört unter anderem die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung mit der Nummer 6 in der Bernhard-Weiß-Straße.
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Aus gegebenem Anlass: Der lange Weg zu einem neuen Straßennamen

Wer vermutet, man braucht nur ein altes durch ein neues Straßenschild zu ersetzen, irrt. Einmal abgesehen von der jahrelangen Vorlaufzeit bis zur Entscheidung ist eine Fülle von Verordnungen zu beachten. So das Berliner Straßengesetz von 1985 mit der Änderung von 1988 und Ausführungsvorschriften von 1991, zu dem das „Gesetz zur Änderung von Zuständigkeiten für den Ausbau Berlins als Hauptstadt…“ vom April 1993 mit der ‚Verordnung zur Durchführung des Allgemeinen Zuständigkeitsgesetzes’ hinzugekommen ist und berücksichtigt werden muss.
Nicht weniger als fünf Dienststellen sind zu benachrichtigen. Zum Beispiel der Polizeipräsident von Berlin, die Berliner Feuerwehr, das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, die unmittelbar betroffenen Senatsdienststellen, die unmittelbar betroffenen Stellen der Bezirksverwaltungen, die nun ihrerseits alle von der Um- oder Neubenennung betroffenen Anlieger rechtzeitig zu informieren haben. Dem sind Diskussionen, Zustimmungen oder Verwerfungen vorausgegangen. Das soll unter anderem dazu beitragen, Doppelbenennungen oder gar Fehlinterpretationen zu vermeiden. Die Betonung liegt auf „soll“. Ein Blick in das Berliner Straßenverzeichnis bringt es auf 19 Kaiser. Als Platz, als Allee, als Straße, mal mit Vornamen, mal ohne. Großer Beliebtheit erfreut sich die Kastanie. Spitzenreiter mit 25 Benennungen in Variationen ist allerdings die Birke. Nur einmal vertreten ist die Thusnelda-Allee in Moabit, mit gerade mal 50 Metern die kürzeste Straße in Berlin, und die nur wenig längere Große Präsidentenstraße am Hackeschen Markt.
Ist eine prominente Person gestorben, nach der man eine Straße, einen Platz, eine Brücke benennen möchte, kann dies erst nach Ablauf von fünf Jahren erfolgen. Angehörige sind zu befragen. Geht es um eine herausragende Persönlichkeit oder um ein gesamtstädtisches Anliegen, so entscheidet der Senat über die Ausnahmeregelung. Übrigens: Ladies first. Ein gesamtstädtisches Anliegen ist zum Beispiel die Umbenennung von Namen oder Begriffen, die sich von aktiven Gegnern der Demokratie sowohl aus der nationalsozialistischen als auch der stalinistischen Gewaltherrschaft her ableiten.
Straßenschilder sind entsprechend der straßenverkehrsbehördlichen Anordnung anzubringen. „Straßenschilder sind mittels Rahmen und Halter zu befestigen. Der Abstand zwischen Unterkante des Rahmens und der Straßenoberfläche muss mindestens 2,20 m betragen…. Maßgebend für die Länge des Straßennamensschildes ist die Länge des Straßennamens.“ Das Schild ist beidseitig zu beschriften (schwarze Schrift auf hellem Grund). Auch das Anbringen der Hausnummer unterliegt einer strengen Ordnung. Wie schon eingangs erwähnt: Es ist ein langer Weg.
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In schöner Eintracht

Alle Religionsgemeinschaften waren vertreten am 15. November 2011, als die Kirche der JVA Plötzensee feierlich wiedereröffnet wurde. Ein gewöhnlicher Fertigstellungs-Termin für die Mitarbeiter der BIM war das nicht.
Zusammen mit seinem katholischen Kollegen, Diakon Thomas Marin, begrüßte der evangelische Gefängnisseelsorger Eckhart Wragge die (nun ehemalige) Justizsenatorin Gisela von der Aue, den Leiter der Anstalt, Regierungsdirektor Udo Plessow, die BIM mit Sven Lemiss und die Architektin Professor Gesine Weinmiller. Weitere Gäste kamen von der Tiergartner St. Matthäusstiftung, vom Verein „Kirche im Gefängnis“, der Ev. Superintendent von Charlottenburg, die Angehörige eines der vielen 1945 in Plötzensee verschollenen Inhaftierten, die Generalsuperintendentin, die Oberkonsistorialrätin, der Landespfarrer der JVA Brandenburg, für die orthodoxe Kirche der Pfarrer der Jugendstrafanstalt und der Domprobst der katholischen Kirche, Dr. Stephan Bygowski, der die Kirche segnete.
Um allen Gästen und Mitwirkenden gerecht zu werden, folgte die Begrüßung der schwarzen Spiritual-Band „Eb Davis“ und des Organisten an der Schuke- Orgel. Auch die Gemeinde wurde nicht vergessen. Das an diesem Ort recht beziehungsreiche Lied: „Tut mir auf die schöne Pforte“ leitete das ökumenische Programm ein.
Auf die Neugestaltung des Kirchenraums – Anlass der Veranstaltung – ging Gesine Weinmiller ein. Sie hatte das Farbkonzept entworfen und der Gemeinde kostenfrei zur Verfügung gestellt und erinnerte daran, dass „…die Kapelle aus dem 19. Jahrhundert in allen Schlammfarben dieser Welt gestrichen war, was jeden depressiv machte, der es nicht sowieso schon war…“. Jetzt ist sie in unterschiedlichen Blautönen gestrichen, „…licht und hell, als ob der Himmel aufgeschlossen würde.“
Bevor Udo Plessow zum Empfang in das neue Sprechzentum bat, zitierte Pfarrer Wragge die Worte eines Inhaftierten: „Ab und zu guckt ja mal einer von oben zu.“ Für die Männer, durchschnittlich sind es 40, die die Kirche aufsuchen, ist sie – obwohl von Mauern umschlossen – ein Ort ihrer freien Entscheidung. Die offizielle Einweihung fand kurz darauf mit einer gleichwertigen Veranstaltung für alle vier Häuser der Haftanstalt statt.
Udo Plessow würdigte die schnelle und professionelle Arbeit der BIM, dankte besonders Ines Romahn vom Baumanagement für ihren geduldigen Einsatz und hob die Ausstattung des Sprechzentrums mit neuer Elektrik, Fenstern, Decken und Fußboden hervor.
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Mit dem BIM–Baum in die Weihnachtszeit
Die beschmückte Tanne ist für viele der Inbegriff für Weihnachten. Mögen das Aussuchen und das Aufstellen des geliebten Baums mancherorts zu schwerwiegenden Familienstreitigkeiten führen, so werden bei dem Anblick der mit Kugeln und Kerzen verzierten Tanne nicht selten frohe Kindheitserinnerungen wach.
Mit dem Baum beginnen die Feiertage und die BIM wollte auch dieses Jahr wieder ihre Kunden auf das besinnliche Weihnachtsfest einstimmen. Aus diesem Grund wurden an vielen Standorten Bäume aufgestellt. So zum Beispiel in der Polizeidienststelle in der Friedrichstraße 219. Hier steht eine 2,50 Meter große Nordmanntanne im Eingangsbereich. Alle Mitarbeiter freuen sich auf den Baum, verriet der Pförtner, denn er wird wie jedes Jahr von den Mitarbeitern selbst beschmückt. Auch die Mitarbeiter der Feuerwehr in der Voltairestraße freuen sich über ihren Weihnachtsbaum. Zwar steht er im Sand des Beachvolleyballfeldes, trotzdem leitet die mit Kerzenlichtern und roten und goldenen Kugeln beschmückte Tanne, wie alle anderen auch, die Festtage ein. Die Nordmanntanne steht im Innenhof des Gebäudes und ist deshalb gut von den Büros zu sehen.
Dieses Jahr lieferte die BIM circa 90 Bäume an die Liegenschaften der Polizei, Feuerwehr, Justizvollzugsanstalten, Kulturimmobilien und der Gerichte. Je nach Wunsch wurden die Bäume geschmückt oder zum selbst schmücken aufgestellt. Alle Tannen wurden an die räumlichen Begebenheiten angepasst und pünktlich vor dem ersten Advent ausgeliefert. Der kleinste Baum misst 1,50 Meter und steht bei der Staatsanwaltschaft in Moabit. Der größte und wahrscheinlich schönste Baum steht in der Eingangshalle des Amtsgerichts Berlin-Mitte. Die mit roten Kugeln, Schleifen und Sternen beschmückte Tanne ist mit 6 Metern die mit Abstand größte und kommt in dem palastartigen Gebäude mit Jugendstil-Einflüssen gut zu Geltung.
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- Der mit 1,50 m kleinste Baum in den BIM-Immobilien bei der Staatsanwaltschaft in Moabit.

- Die von den Mitarbeitern der Polizeiwache Friedrichstraße selbst beschmückte Tanne.

- Nicht den Kopf in den Sand stecken: Die Nordmanntanne bei der Feuerwehr in der Voltairestraße.

- Dieser kunstvoll beschmückte Baum steht in der Berlinischen Galerie und muss sich einiger Konkurrenz stellen. Die Installation des Architekten Jürgen Mayer H. ist zurzeit in der Alten Jakobstraße unweit des Baums zu sehen.

- Der größte der circa 90 Bäume, die von der BIM ausgeliefert wurden, steht im Gericht in der Littenstraße.
Kunst ohne Dach
Das BIM-Portfolio erweitert sich erneut. Zu den bereits übertragenen Kultur-Immobilien kommen unter anderem über 70 Einzelobjekte „Kunst im Stadtraum“ hinzu. Die Kunst für jedermann findet sich im gesamten Stadtgebiet. Mal ist es eine Hinweistafel, mal eine Stele, mal ein Denkmal sowohl an öffentlichen Gebäuden als auch in Parks, auf Straßen oder Bahnhöfen.
In früherer Zeit bevorzugten die Stadtväter zur Verschmückung ihres Ortes Reiterstandbilder oder Ehrfurcht gebietende Darstellungen ihrer Herrscher. Erst in den 30iger Jahren des vorigen Jahrhunderts entstand die Idee – hier allerdings aus propagandistischen Erwägungen heraus – Künstler in die Gestaltung des öffentlichen Raumes einzubeziehen. Seitdem ist im Baugesetz festgeschrieben, dass eine geringe Summe für Kunst vorzuhalten ist.
Mit den 1950er Jahren steht nicht mehr die politische Propaganda im Vordergrund. „Museale Befreiung“, „Plastik im Freien“, „Kunst für alle“, „Bekenntnis zum öffentlichen Raum“ oder „Bildung mit allen Sinnen“ heißt seitdem die Parole. Wettbewerbe werden ausgeschrieben, und bereits in der Planungsphase wird die öffentliche Verwaltung wie auch Architekten, Bauherrn und Künstler zum Beispiel durch das Kulturwerk des bbk berlin GmbH unterstützt. Kunst im Stadtraum soll aufmerksam machen, zum Nachdenken anregen, erfreuen, auch zu Diskussionen anregen. Dass sie außerdem zum Reichtum einer Stadt beiträgt, sehen leider nicht alle ihre Bewohner so. Mutwillige Beschädigungen jeglicher Art zeugen davon.
Aus der Fülle der zu schützenden Kunst sollen drei Beispiele herausgegriffen werden: Denkzeichen Modezentrum Hausvogteiplatz für das ehemalige jüdische Konfektionsviertel; Mind the Gap als eines von sieben künstlerischen Zeichen ehemaliger Grenzübergänge an der Bösebrücke Bornholmer Straße; Kaninchenfeld für die „Bewohner“ des Todesstreifens Bernauer Straße sowie Mauermarkierung als doppelte Steinreihe entlang der ehemaligen Mauer.
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Das Brandenburger Tor: Berlins höchster Pferdestall

Es hat sechs Geschosse, 32 Fenster und 40 Türen und ist als einziges von ehemals 18 Stadttoren erhalten geblieben, an die heute nur noch Straßennamen, Plätze oder Haltestellen erinnern. Mit Beginn des neuen Jahres gehört das geschichtsträchtigste Wahrzeichen der Stadt zum Portfolio der BIM. Seit seiner Entstehung im Jahre 1734 wurde es entweder abgerissen, aufgebaut, renoviert, zerstört, wieder aufgebaut, und dabei jedes Mal verändert. 1926, als der Torbau wieder einmal generalüberholt werden musste, wurde er einschließlich der Quadriga eingerüstet, was die Berliner mit der Bezeichnung: „Berlins höchster Pferdestall“ quittierten.
Der erste Bau hatte verschließbare Holztore und war umgeben von einem Wachlokal, einem Haus für Steuerbeamte und einem Spritzenhaus. 1788 erkannte man: „Die Lage des Brandenburger Thores ist in ihrer Art ohnstreitig die schönste von der ganzen Welt…“. 1789 begann Carl Gotthard Langhans (1732-1808), Direktor des Oberhofbauamtes, mit dem Bau eines neuen Torhauses. Als Modell diente ihm das Athener Stadttor. Bei der Einweihung im August 1791 waren fünfhunderttausend Taler ausgegeben, 1240 Quadratfuß Eisenblech, 991 Fuhren Erde und 389 Fuhren Schutt zu Wasser bewegt worden. Das Tor war 65,5 Meter breit, elf Meter tief und mit der von Potsdamer Kupferschmieden nach einem Entwurf von Johann Gottfried Schadow (1764-1850) zwei Jahre später fertiggestellten Quadriga – bestehend aus Pferden, Wagen und der Friedensgöttin Victoria – 26 Meter hoch. Weil Victoria nackt war, musste für sie umgehend ein kupferner Mantel nachgegossen werden.

1806, im Oktober, ritt Kaiser Napoleon durch das Brandenburger Tor als Sieger über Preußen in die Stadt ein. Er nahm, als er die Stadt verließ, die Quadriga mit. 1814 war sie wieder da, verpackt in 15 Kisten und gezogen von 52 Pferden. Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) bekam den Auftrag, Victoria neue Insignien zu verpassen, die aus ihr eine Siegesgöttin machten. Als am Abend des 21. März 1933 die Nationalsozialisten unter gewaltigem Getöse mit einem Fackelzug durch das Tor marschierten, gingen die Bilder um die ganze Welt. Wenn bis dato Berliner durch das Tor flanierten, Kaiser und Könige Einzug hielten, waren nun furchteinflößende Militärparaden an der Tagesordnung. Marschiert und gejubelt wurde bis 1943 und bis das Kupferdach als kriegswichtiges Material abgenommen und das Tor als Panzersperre verbarrikadiert wurde.
Am 1. Mai 1945 nahm die Rote Armee das kriegszerstörte Gebäude ein. Vier Jahre später, nach der Teilung der Stadt, befand sich das Tor im Ostsektor. 1956 wurden Tor und Quadriga in relativ friedlicher Zusammenarbeit zwischen Ost und West instand gesetzt. 1961, durch den Bau der Mauer, geriet das Stadttor zum sozialistischen Grenzwall. 28 Jahre später tanzten und jubelten die Berliner auf der Mauer, und wieder gingen die Bilder vom Brandenburger Tor um die ganze Welt. Jahr für Jahr findet seitdem an diesem Platz die große Sylvester-Party statt.
Im Nordflügel des Gebäudes gibt es seit 1994 eine Besonderheit: den Raum der Stille, der nach einem Vorbild des Meditationsraums im Haus der Vereinten Nationen in New York entstanden ist. Mit seiner Einladung, inne zu halten und sich vom Lärm zu entfernen, nimmt er den Grundgedanken des Baumeister Langhans auf, der das Tor einst mit einer Friedensgöttin bekrönen ließ.
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Quellen: Rainer Laabs: „Das Brandenburger Tor - Brennpunkt deutscher Geschichte“, Wikipedia
Redaktionsteam:
Kristina Behnke (be), Katja Cwejn (cwe), Markus Hanfler (mh)






