Ausgabe: 2/2011
Erfahren Sie im aktuellen Newsletter, was das Fortbewegungsmittel der Zukunft ist und welches Gebäude die eindrucksvollste Fassade Berlins besitzt. Viel zu berichten gibt es auch von der Pressekonferenz der BIM im Literaturhaus – mit einer besonders erfreulichen Bilanz für den Flughafen Tempelhof. Lassen Sie sich in unserer neuen Reihe „Hidden places“ außerdem an versteckte Orte führen, die auf jeden Fall einen Besuch wert sind!
Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen
Sven Lemiss
Geschäftsführer
Rückblick und Ausschau mit der BIM

- Neue Aufgaben für die BIM: Das Bauhaus-Archiv und 16 weitere Kulturimmobilien sind seit 2011 im Portfolio.
Welche Einsparungen erzielte die BIM 2010 für den Landeshaushalt? Und welche Aufgaben erwarten die Gesellschaft in Zukunft? Viel gab es zu berichten für Geschäftsführer Sven Lemiss beim Pressegespräch der BIM am 14. April 2011 im Literaturhaus Berlin. Gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Christian Sundermann, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Finanzen, gab er die Zahlen zur Entwicklung des Unternehmens 2010 bekannt: Als landeseigene Gesellschaft sicherte die BIM bisher Einsparungen in Höhe von 211 Millionen Euro über einen Zeitraum von 20 Jahren vertraglich ab. „Als Immobilienverwalter fühlen wir uns für die öffentlichen Gebäude in Berlin verantwortlich. Deshalb freuen wir uns, dass wir im letzten Jahr den Sanierungsstau in Höhe von 83 Millionen Euro noch weiter abbauen konnten“, fügte Sven Lemiss hinzu. Staatssekretär Sundermann lobte zudem die Initiativen der BIM zur Optimierung von Flächen: „Die BIM sparte im Jahr 2010 durch Flächenoptimierungsprojekte insgesamt 50.000 Quadratmeter Fläche ein. Drei angemietete, zuvor voll besetzte Standorte konnte die Gesellschaft leerziehen.“
Sven Lemiss stellte auch die neuen Aufgaben vor, die die BIM nicht nur in diesem Jahr erwarten. Die Gesellschaft hat sich immer mehr als Ansprechpartner nicht nur für Bürogebäude, sondern auch für Immobilien mit sehr spezieller Nutzung etabliert. Einem erfolgreichen Pilotprojekt mit sechs Kultureinrichtungen im Jahr 2010 folgen in diesem Jahr 17 weitere Einrichtungen wie z. B. das Bauhaus-Archiv und die Berliner Philharmonie.
Im vergangenen Jahr waren bereits fünf Einrichtungen des Justizvollzugs in die Bewirtschaftung der BIM übergegangen. Das Pilotprojekt, an dem sich die Justizvollzugsanstalten Plötzensee und Charlottenburg, die Jugendstraf- und Jugendarrestanstalt Berlin sowie das Justizvollzugskrankenhaus Berlin beteiligen, wurde Ende 2010 ausgewertet – mit erfreulichem Ergebnis: Alle befragten Anstalten empfinden die Einführung des zentralen Facility Managements und die Zusammenarbeit mit der BIM als positiv.
Ebenfalls mit einem positiven Ergebnis konnte die BIM am 31. März 2011 die Bewirtschaftung des Flughafens Tempelhof an die Tempelhof Projekt GmbH übergeben: Im Jahr 2010 erwirtschaftete die Gesellschaft ein Plus von über 500.000 Euro. Noch ein Jahr zuvor betrug das Defizit fast 9 Millionen Euro. Die schwarzen Zahlen sind das Ergebnis steigender Mieteinnahmen bei gleichzeitiger Kostensenkung für die laufende Bewirtschaftung. Mietverträge mit rund 100 dauerhaften Mietern und 70 Eventmietern trugen 2010 mit insgesamt rund 12 Millionen Euro zum erfolgreichen Abschluss des bedeutenden Projekts bei.
cwe
Hidden places: Das Hofcafé im Märkischen Museum

- Foto: Moritz Möller
Tritt man durch den steinernen Türbogen in den mit Efeu umrankten Innenhof, fühlt man sich ein wenig wie im Märchen. Majestätische Ruhe herrscht und es scheint, als sei Dornröschen gerade mit ihrem gesamten Hofstaat in einen tiefen Schlaf gefallen. Tatsächlich verbirgt sich hier, umgeben von den über hundertjährigen Mauern des Märkischen Museums, ein Ort von dornröschenhafter Anmutung: Das Hofcafé im Märkischen Museum.
Vor sechs Jahren in der ehemaligen Hausmeisterwohnung eingerichtet, verzaubert das Café besonders durch seine liebevolle, ganz im Stil der 60er Jahre gehaltene Einrichtung. Die verschnörkelten Möbel sind Originale aus einer Eisenkunstschmiede in Kreuzberg und entstammen der Sammlung „Eisen graziös“ des Museums. Ein Aperitif- und ein Eiswagen mit rotem Sonnendach, wie man sie einst für den Verkauf im Freien nutzte, können bewundert werden. Bis zur Tapete ist jedes Detail der Einrichtung in zarten Pastelltönen aufeinander abgestimmt; der Außenbereich im ruhigen Innenhof bietet die perfekte Ergänzung für warme Tage.
Doch die romantische Lage des Hofcafés ist gleichzeitig seine Krux: Nur wenige kennen das versteckte Kleinod, das man auch unabhängig vom Museum durch einen kleinen Nebeneingang aufsuchen kann. Laufkundschaft gibt es rund um den Köllnischen Park kaum. Wer hier seinen Kaffee genießt, ist deshalb meist unter sich. Bisher nutzen vor allem Privatleute das Hofcafé für Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Kindergeburtstage, auch eine Weingroßhandlung führt hier regelmäßig Verkostungen durch. „Seit Februar dieses Jahres haben wir aber auch am Wochenende geöffnet,“ so David Schiesser von der Stadtmuseum Berlin GmbH. Er hofft, dass das Café bald aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.
Hofcafé im Märkischen Museum, Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin
Öffnungszeiten (i. d. R.): Fr-So 11.30 - 18.00 Uhr und jeden ersten Mittwoch im Monat 12.30 - 20.00 Uhr
Ruhm und Ehre für die schönste Fassadenkunst
Am 12. April 2011 wurde der Preis für die eindruckvollste Fassade an Berlins Gebäuden vergeben. Bereits zum siebten Mal veranstaltete die Maler- und Lackiererinnung Berlin den Fassadenwettbewerb. In den vier Kategorien „Berliner Altbauten“, „Mehrgeschossige Neubauten“, „Ein-und Mehrfamilienhäuser, Stadtvillen“ und „Fassadenkunst“ konnten bis zum 31. Dezember 2010 Arbeiten eingereicht werden. Unter dem Motto „Farbe ist sexy – Wärme auch!“ wählten die Veranstalter renovierte Gebäude aus, die energetische Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes mit besonders kunstvollen Malereien verbinden. In der Kategorie „Fassadenkunst“ hat gewonnen: Die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, der Malerbetrieb Kaminski & Brendel und das Planungsbüro Müller & Nowak mit der Gestaltung der Feuerwache in der Suarezstraße 9-10.
Der ehemals graue Betonklotz wurde mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 750.000 Euro saniert. Tore wurden erneuert, die Außenfassade nach den strengen Kriterien der Energiesparverordnung instand gesetzt und das Dach saniert. Über 400.000 Euro wird die Sanierung jährlich einsparen, was letztlich auch dem Landeshaushalt zu Gute kommt. Die deutlichsten Veränderungen an der Feuerwehrwache sind jedoch nicht die energetischen Maßnahmen, sondern die kunstvoll gestaltete Fassade. In feurigem Rot mit dem sich wiederholenden Schriftzug „Feuerwehr“ erstrahlt die Immobilie in neuem Glanz. In der Begründung zum ersten Platz der Jury heißt es: „Der besondere visuelle Wert liegt im Spannungsfeld zwischen der grauen Schriftgestaltung mit den fast gleichen Flächenanteilen und dem roten Untergrund sowie der Unaufdringlichkeit der Gesamtgestaltung.“
mh

- Wo geht’s hier zur Feuerwehr? – Kein Zweifel an der Nutzungsart!
Mondlandschaft in Köpenick
Erhöhte Aufmerksamkeit war gefragt, als Gabriele Meier vom Baumanagement der BIM die Polizeiwache in der Karlstraße 8 das erste Mal betrat: „Besonders die Treppen mit den extrem unterschiedlich hohen Stufen und die niedrigen Türstürze in den Fluren bargen zahlreiche Gefahren.“ Wer hätte gedacht, dass aus dem tristen Plattenbau einmal eine moderne Polizeiwache werden würde?
Zu diesem Zeitpunkt Ende 2009 war die Sanierung des Baus aus dem Jahr 1988 und die Neugestaltung für die Bedürfnisse einer modernen Polizeiwache bereits beschlossene Sache: Rund 5 Millionen Euro konnte die BIM aus dem Konjunkturpaket dafür aufbringen; nach einem Jahr Bauzeit wurde die neue Wache nun am 14. April 2011 offiziell eingeweiht. „Was wir heute hier sehen ist beinahe ein Neubau“, sagte BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss zu diesem Anlass und dankte den rund 200 Mitarbeitern der Wache für ihre Geduld während der Umbauzeit, die mit Umzügen und Umstrukturierungen einherging. Als „nicht sanierungsgeeignet“ stufte die Polizei einst die Karlstraße 8 ein, Polizeipräsident Dieter Glietsch musste jetzt zugeben: „Die Sanierung war in jeder Hinsicht die richtige Entscheidung, auch für die Bürgerinnen und Bürger in Köpenick!“
Die Arbeiten, bei denen das Haus völlig entkernt wurde, gestalteten sich jedoch nicht immer ohne Überraschungen: „Als wir die Tapete abtrugen, kamen wahre Mondlandschaften zum Vorschein – gerade diese heute simpel glatten, weißen Bürowände haben uns kosten- und termintechnisch kurz vor der Zielgeraden enorm herausgefordert,“ verrät Gabriele Maier. Doch die grundlegende Sanierung bot auch eine tolle Chance: den Gesamtausdruck des Hauses in einem einheitlichen Entwurf zu realisieren, der auch die Umwelt nicht außer Acht lässt. Die Fassade ist nun energetisch gedämmt und verfügt über neue Isolierglasfenster und -türen. Eine Belüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung trägt zur Senkung des CO2-Verbrauchs ebenso bei wie eine Solarthermieanlage auf dem Dach, die den Warmwasserbedarf abdeckt. Jährlich 44 Prozent CO2 weniger sind das beachtliche Ergebnis der umfangreichen Sanierungsarbeiten.
cwe
2.000 Quadratmeter mehr für historische Hingucker
Betritt der Besucher die Halle, steigt ihm der Geruch von Neu in die Nase. Neue Fußböden, neue Fenster und frisch verputzte und gestrichene Wände. Doch nicht alles ist neu an diesem Ort. Der blau lackierte, 80 PS schnelle Mercedes Nürburg aus dem frühen 20. Jahrhundert sticht deutlich heraus. Er gehört zu den Hinguckern der neuen Dauerausstellung „Mensch in Fahrt – unterwegs mit Auto & Co“, die ab dem 13. Mai 2011 im Deutschen Technikmuseum zu besichtigen ist. Viele Objekte sind zum ersten Mal zu sehen, weil erst die neuen Räumlichkeiten den nötigen Platz schufen. Die Ausstellungsräume in der ehemaligen Halle des Anhalter Güterbahnhofs verbinden geschickt den alten Rohbau mit modernen architektonischen Akzenten und natürlich mit ansehnlichen, historischen Museumsexponaten. Die BIM hat diese denkmalgeschützten Bauten mit 3,1 Millionen Euro, teilweise aus dem Konjunkturpaket II, komplett saniert und somit rund 2.000 Quadratmeter neue Ausstellungsfläche geschaffen.
„Der historische Kern des Gebäudes wurde nach den aktuellen Standards der Energieeinsparverordnung erneuert“, erklärt Klaus Gendner, Mitglied der Geschäftsleitung der BIM, während der Vorstellung der neuen Hallen. „Dächer, Fassaden, Fenster und Türen wurden modernisiert, um zukünftig 11 Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen. Besonders stolz sind wir, dass die vorgegebenen Kosten nicht gesprengt wurden.“ Nach zehnmonatiger Bauzeit wurde das Projekt sogar einen Monat früher fertig als geplant, so Klaus Gendner weiter.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Dachkonstruktion der Depothallen: Die ursprünglichen Empfangsgüterhallen hatten bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg dreieckförmige Dachhauben, sodass die neue Gestaltung den historischen Befund zitiert. Diese Lösung entspricht gleichzeitig der museumsspezifischen Anforderung, den Tageslichteinfall im Ausstellungsbereich zu begrenzen.
Prof. Dr. Joseph Hoppe, Vize-Direktor des Deutschen Technikmuseums, überreichte abschließend den beiden Rednern André Schmitz, Kulturstaatssekretär in Berlin, und Klaus Gendner, passend zum Thema der neuen Dauerausstellung, ein Geschenk: Keinen Mercedes Nürburg, sondern einen kunstvoll geschnitzten Spazierstock – das Fortbewegungsmittel der Zukunft. „Auf jeden Fall umweltfreundlich“, freute sich Klaus Gendner.
mh
Zwischen Kiefern und Birken: Brücke–Museum Berlin

Dezember 1964: Der Maler, Grafiker und Namengeber der Künstlervereinigung „Die Brücke“, Karl Schmidt, bekannt als Schmidt-Rottluff (1884-1976) nach seinem Geburtsort Rottluff bei Chemnitz, wird 80. Er beschließt, 74 Exponate seines Œuvre mit der in Aussicht gestellten Option auf seinen gesamten Nachlass dem Land Berlin zu schenken. Schmidt-Rottluff und Leopold Reidemeister, Kunsthistoriker und damaliger Generaldirektor der Staatlichen Museen West-Berlins, entwickeln die Idee für den Bau eines Museums, um der expressionistischen Kunstrichtung der Brücke-Maler und ihr verwandter Künstler zu einem repräsentativen Ort zu verhelfen. Der Berliner Senat stellt aus seinem Landesbesitz ein Baugrundstück an den Ausläufern des Grunewald zur Verfügung.
Der von Senatsbaudirektor Werner Düttmann (1921-1983) geschaffene knapp 500 Quadratmeter im Bauhausstil gehaltene Bungalow bezieht durch seine bis zum Boden reichenden Fenster sowohl einen kleinen Innenhof als auch die umliegende Natur mit ein.
Die Brücke-Künstler, zu denen u.a. Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Fritz Bleyl gehören, lernen sich 1905 bei ihrem Studium an der Technischen Universität in Dresden kennen. Andere kommen hinzu oder gründen später eigene Vereinigungen. 1911 zieht die Brücke nach Berlin. Interne Streitigkeiten führen 1913 zu ihrer Auflösung. Geblieben – bis heute – ist die Grundidee der Brücke: die Harmonie von Mensch und Natur.
Seit 1988 betreut Professor Magdalena Moeller das Haus. „Mit meiner ersten, einer großen Franz Marc-Ausstellung, ist mir die Erweiterung des Spektrums außerhalb der streng genommenen Brücke-Auffassung geglückt. Ich möchte den Expressionismus in seiner gesamten Breite darstellen. Dazu gehören auch Vertreter des „Blauen Reiter“ oder der Neuen Secession. Die von meinen Vorgängern begonnenen Reiseausstellungen konnten weiterentwickelt werden, und ich freue mich, dass wir 2012 zum ersten Mal auch in Frankreich den deutschen Expressionismus in Grenoble zeigen werden.“
In den seit seiner Gründung vergangenen 45 Jahren ist die Sammlung beträchtlich gewachsen. „Ein Neubau an zentraler Stelle, um das international bewunderte Museumsjuwel angemessen präsentieren zu können, mit einem Wechsel-Ausstellungssaal, Lesesaal, Grafikraum, Werkstätten, Räumen für die Wissenschaft und einer Bibliothek, ist vorerst wohl nur ein Wunschtraum. Wir brauchen die gezielte Förderung durch die Öffentlichkeit“, beschreibt Magdalena Moeller die Situation.
be
Adresse: Brücke-Museum Berlin • Bussardsteig 9 • 14195 Berlin
Tel.: 030/831 20 29 • Fax: 030/831 59 61
bruecke-museum@t-online.de • www.bruecke-museum.de
Öffnungszeiten: täglich von 11-17 Uhr, dienstags geschlossen.
Redaktionsteam:
Katja Potzies (Leitung), Kristina Behnke (be), Katja Cwejn (cwe), Markus Hanfler (mh)




