Eckdaten
Ende des 19. Jahrhunderts wuchs Berlin rasant, was sich auch auf die Verwaltung auswirkte. Die Kapazitäten des erst 1869 fertig gestellten Berliner Rathauses waren bald an ihre Grenzen gelangt, so dass sich die Notwendigkeit für ein "zweites Rathaus" abzeichnete. Ein Anbau an das Berliner Rathaus kam nicht in Frage, es folgten langjährige Diskussionen um einen möglichen Standort.
Schließlich entstand auf dem Gelände zwischen Jüden-, Parochial- und Klosterstraße südöstlich vom Berliner Rathaus ein zweites Stadthaus. Es wurde nach Plänen des Stadtbaurats Ludwig Hoffmann in den Jahren 1902 bis 1911 errichtet und am 29. Oktober 1911 eingeweiht.
Den heutigen Namen erhielt das Alte Stadthaus erst 1938, nachdem in unmittelbarer Nähe in der Parochialstraße das Neue Stadthaus eröffnet wurde.
Verwalten und Repräsentieren
Das Alte Stadthaus verlieh der wachsenden Bedeutung des Berliner Magistrats in der expandierenden Reichshauptstadt Ausdruck. Das Gebäude bot auf etwa 12.600 Quadratmetern Büroräume für rund 1000 Beamte und eine repräsentative Festhalle, den "Bärensaal". Es war modernes Verwaltungsgebäude im Inneren und wilhelminischer Repräsentationsbau nach außen. Sichtbar wird dies vor allem durch den 87 Meter hohen Turm, der das Gebäude weit überragt.
Umbauten während der DDR-Zeit
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Alte Stadthaus zwar durch Fliegerbomben und Artillerie beschädigt, blieb in seiner Bausubstanz jedoch weitgehend erhalten. Von 1950 bis 1990 diente es als Sitz der DDR-Ministerpräsidenten. 1990 wurde hier der Einigungsvertrag beraten.
Die bronzene Fortunafigur, die ursprünglich den Turm schmückte, wurde 1951 von der Turmkuppel entfernt und durch eine 13 Meter hohe Fernsehantenne ersetzt. Nach Inbetriebnahme des Fernsehturms am Alexanderplatz wurde die Antenne abgebaut und an ihrer Stelle ein Fahnenmast installiert. Der Verbleib der Fortuna des Künstlers Ignatius Taschner ist bis heute ungeklärt. Eine künstlerische Rekonstruktion wurde 2004 wieder auf die Kuppel aufgesetzt.
Wiedervereinigung und Restaurierung
Nach der Wiedervereinigung gelangte das Haus zunächst in Bundesbesitz. Nach einem Rechtsstreit, den das Land Berlin gewann, ging das Alte Stadthaus wieder in das Eigentum des Landes Berlin über.
1997 bezog die Senatsverwaltung für Inneres das Haus, die heutige Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Seit 2003 hat auch das Berliner Landesdenkmalamt seinen Sitz im Alten Stadthaus.
Im Rahmen der Grundsanierung, die 1994 unter Leitung des Architekten Gerhard Spangenberg begann, wurde auch der Bärensaal weitgehend restauriert und am 21. Juni 1999 feierlich wiedereröffnet. Die Bärenstatue, der der Saal seinen Namen verdankt, wurde 2001 in das Stadthaus zurückgebracht.
Vermietung Bärensaal
Der restaurierte Bärensaal bietet ein festliches Ambiente für gesellschaftliche Anlässe aller Art und kann für öffentliche oder private Nutzung angemietet werden. Nähere Informationen erhalten Sie in der Rubrik 'Vermietung Bärensaal'.