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Konzerthaus Berlin

Foto: Konzerthaus Berlin

Ein Meisterwerk klassizistischer Architektur: Königliches Nationaltheater

Der geschichtliche Verlauf beginnt 1776 mit der Eröffnung des Französischen Komödienhauses nach den Plänen des preußischen Oberbaudirektors Johann Bouman d.Ä. Nach seiner Renovierung 1786 wird es Nationaltheater, um ein Jahr später in Königliches Nationaltheater umbenannt zu werden, in dem 1789 Wolfgang Amadeus Mozart seiner „Entführung aus dem Serail“ beiwohnt. 1796 wird August Wilhelm Iffland* Direktor dieses Theaters. Mit ihm entsteht eine Glanzzeit des Berliner Theaterlebens.

Ein Neubau des Hauses wird beschlossen, mit dem Gotthard Langhans betraut wird. 1802 ist er fertig. Bald darauf wird Iffland zum Generaldirektor der Königlichen Schauspiele einschließlich der Lindenoper ernannt. Kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel entwirft das Bühnenbild für E.T.A. Hoffmanns Oper „Undine“.

Funktionelle Dreiteilung

1817 bricht unter dem Dach in den Werkstätten ein Brand aus, der in kurzer Zeit auf den gesamten Bau übergreift. „Es verbrannten die Kostüme, Magazine und Kulissen auf dem Boden…die Dachkonstruktion stürzte brennend nach unten in das Theater und hinterließ eine öde Trümmerwüste.“ Karl Friedrich Schinkel muss einige harte Gefechte mit Konkurrenten austragen, bis er den Auftrag erhält, ein Theater zu bauen, „…das von einer funktionellen Dreiteilung ausgeht, die auch von außen erkennbar ist: Theater, Konzertsaal und Funktionsblock…“ Größte Sparsamkeit wird ihm dafür auferlegt, so u.a. die Einbeziehung der Umfassungsmauern und der Portikus-Säulen der Ruine. Erst als ein Todesopfer beim Einsturz einer Ruinenmauer zu beklagen ist, verzichtet man auf die Ruinen-Nutzung. Die von seinem Vorgänger Langhans vorgegebene städtebauliche Konzeption wird von Schinkel berücksichtigt. Nach seinen Angaben modellieren Christian Daniel Rauch und Christian Friedrich Tieck den reichhaltigen, plastischen Schmuck des Gebäudes, das 1821 in Anwesenheit Königs Friedrich Wilhelm III. eingeweiht wird.

1826 findet die Berliner Erstaufführung von Beethovens 9. Sinfonie statt, 1842 dirigiert Felix Mendelssohn seine Schauspielmusik zu „Antigone von Sophokles“, ein Jahr später gastiert Franz Liszt, und Richard Wagner dirigiert den „…Fliegenden Holländer“.

Der Bau beschäftigt in den Folgejahren die Architekten August Stüler (1852/53), 1889 Reinhold Persius und 1904/05 Prof. Felix Genzmer. Letzterer sah einen hufeisenförmigen Grundriss vor, die Verlegung des Eingangsbereichs ins Erdgeschoss, „ …ein ansteigendes Parkett, drei umlaufende Ränge, eine große Hofloge, Decke kuppelförmig und kassettiert… eine sich zur Bühne absenkende Massivdecke. Wände und Brüstungen hellgrün mit viel figürlichem Schmuck.“ 1005 Besuchern bietet der dem romantischen Klassizismus im Äußeren und der dem Empire angelehnte Innenraum Platz.

Im Jahre 1905 verordnet der Architekt O. Launer dem Innenraum einen radikalen wilhelminischen Stil, der 1935 zurückgenommen wird. Dafür bekommt das Theater, das sich seit 1919 Staatstheater nennt, eine über die Charlottenstraße führende Brücke, der Gendarmenmarkt wird umgestaltet und das Schiller-Denkmal entfernt.

Wiederaufbau

Von 1934 bis 1945 heißt der Intendant Gustaf Gründgens. Man spielt, solange der Krieg es zulässt. Am 29. Juli 1944 werden Schillers „Räuber“ aufgeführt und am 22. April 1945 gibt es ein Konzert. Es ist das letzte vor der Zerstörung.

Dann ist der Gendarmenmarkt nur noch Schutt und Asche. Das Staatstheater, der Deutsche und der Französische Dom, die umliegenden Bauten aus dem 19. Jahrhundert bilden eine gespenstische Kulisse aus steinernen Gerippen. 1948, am 18. August, gibt es auf dem Platz ein erstes Konzert nach dem Krieg. Das Moskauer Alexandrow-Ensemble spielt auf einer provisorischen Bühne vor der Ruine des Deutschen Doms russische und deutsche Melodien.

In den Jahren 1979 bis 1984 vollzieht sich der Wiederaufbau des Gebäudes mit weitestgehender Anlehnung an Schinkel. Am 1. Oktober 1984 findet die festliche Wiedereröffnung des Hauses mit einem Konzert des Berliner Sinfonie Orchesters statt. Der Dirigent ist Kurt Sanderling. Seit dieser Zeit heißt das Schauspielhaus Konzerthaus. Drei Jahre später, am 1. Januar 1987, wird im Konzerthaus die 750-Jahr-Feier Berlins eröffnet – ein Jubiläum, das Ost und West bereits vor der Maueröffnung eint.

1989 bis heute

Leonard Bernstein dirigiert im Dezember 1989 an zwei aufeinander folgenden Tagen sowohl im Konzerthaus (Ost) als auch in der Philharmonie (West) Beethovens „Ode an die Freiheit“ mit einem internationalen Orchester und Chor. Beide Konzerte werden wegen des großen Publikumsandrangs ins Freie übertragen.

1994 beschließt der Berliner Senat, dass das Berliner Sinfonie-Orchester zum Hausorchester des Konzerthauses ernannt wird.

Im August 2006 wird Lothar Zagrosek Chefdirigent und Stellvertretender Intendant des Konzerthausorchesters, wie es nun heißt. Zagrosek, zuvor Generalmusikdirekter der Württembergischen Staatsoper, hatte große Vorgänger. Neben Kurt Sanderling prägten Auftritte von David Oistrach und Dirigate von Günter Herbig, Claus Peter Flor und Eliahu Inbal die nunmehr 50jährige Musiktradition des Hauses.

Es gibt mehrere Säle, die bespielt werden können. Der Große Saal hat 1.412 Sitzplätze, ein Kleiner Saal ca. 386, der Werner-Otto-Saal kann bis zu 250 Plätze bieten, desgleichen der Ludwig-van-Beethoven-Saal, ebenso der Carl-Maria-von-Weber-Saal. Alle Räume können gemietet werden. Das Konzerthaus Berlin ist überdies Heimstatt des internationalen Festivals young euro-classic, das seit neun Jahren im August stattfindet und große Bedeutung erlangt hat. Krönender Abschluß ist der Europäische Komponistenpreis, den die Stadt Berlin vergibt.


* Ein Fingerring mit dem Bildnis des Schauspielers, Theaterdirektors und Dramatikers Iffland wird seit 1832 testamentarisch von seinem Träger an den bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler weitergereicht. 1996 erhielt ihn der Schauspieler Bruno Ganz.

 

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Links zum Thema


Konzerthaus Berlin

Eine Veranstaltungsübersicht und zahlreiche weitere Informationen bietet die Webseite des Konzerthauses.


Denkmaldatenbank: Konzerthaus Berlin

Wissenswertes über das Gebäude des Konzerthaus Berlin in der Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

 

Foto: Nachtaufnahme des Konzerthauses Berlin beim Festival des Lichts  - Link auf vergrößerte Bildansicht in einem neuen Fenster.

Nachtaufnahme des Gebäudes beim Festival des Lichts

 

Foto: Blick auf den Gendarmenmarkt mit dem Konzerthaus und dem Deutschen Dom - Link auf vergrößerte Bildansicht in einem neuen Fenster.

Blick auf den Gendarmenmarkt mit dem Konzerthaus und dem Deutschen Dom

 

Foto: Frontalaufnahme des Konzerthauses Berlin - Link auf vergrößerte Bildansicht in einem neuen Fenster.

Frontalaufnahme des Gebäudes

 

Foto: Das Konzerthaus aus einer versetzten Perspektive  - Link auf vergrößerte Bildansicht in einem neuen Fenster.

Das Konzerthaus aus einer versetzten Perspektive

 

Foto: Nachtaufnahme des Konzerthauses Berlin beim Festival des Lichts - Link auf vergrößerte Bildansicht in einem neuen Fenster.

Nachtaufnahme des Gebäudes beim Festival des Lichts