Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Stiftung Öffentlichen Rechts
Die Berlinische Galerie ist eines der jüngsten, experimentierfreudigsten und vielgestaltigsten Museen der Hauptstadt. Sie sammelt, erforscht und präsentiert in Berlin entstandene Bildende Kunst – Malerei, Grafik, Skulptur, Installationen und Multimedia-Kunst – Fotografie, Architektur – Modelle, Entwürfe, Stadtplandokumente – und Künstlernachlässe von 1870 bis heute.
Ein Glaslager wird Museum
Nach 30 Jahren ohne eigenes Haus bezog das Landesmuseum, das 1975 als privater Verein engagierter Bürger in Westberlin gegründet wurde, im Oktober 2004 ein umgebautes Glaslager in unmittelbarer Nachbarschaft zum Jüdischen Museum.
Verortet zwischen Kiez und Metropole bietet das Museum eine Auswahl seiner international renommierten Sammlung aus 600 000 Objekten auf 4 600 Quadratmetern. Die Dauerausstellung zeigt die „alten“ Secessionisten und die Jungen Wilden, Dada und Fluxus, Expressionismus und Neue Sachlichkeit, die osteuropäische Avantgarde der 1920er-Jahre, Berlin unterm Hakenkreuz, Stadt und Welt unter den Trümmern des Krieges, DDR-Berlin und Westberlin sowie aktuelle Positionen der internationalen Künstlerschaft in der Hauptstadt.
Die ständige Sammlungspräsentation wird flankiert durch Wechselausstellungen aller Genres, ausstellungsbegleitende Filmprogramme, Konzerte, Lesungen, Vorträge und Podiumsdiskussionen. Archiv, Bibliothek, Studien- und Vorlegesaal, Museumsshop und das Café Dix stehen Nutzern und Besuchern offen.
Anerkennung durch Förderung
Mit der Vergabe hochrangiger Kunstpreise, in der Regel mit Preisträger-Ausstellungen verbunden, fördert das Landesmuseum, meist in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Kunst und Künstler. So stiftete der Altmeister des Informel Fred Thieler (1916 - 1999) einen mit
10 000 Euro dotierten Preis für herausragende Positionen zeitgenössischer Malerei, der alle zwei Jahre ausgelobt wird. Ebenfalls im Zwei-Jahres-Rhythmus werden zu Ehren des Gründungsdirektors der Berlinischen Galerie Eberhard Roters (1929 – 1994) abwechselnd der „Friedlieb Ferdinand Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung“ mit einer Dotation von 10 000 Euro und das mit 15 500 Euro Preisgeld ausgestattete „Eberhard Roters-Stipendium für Junge Kunst“ ausgeschrieben, die beide einer Partnerschaft zwischen dem Landesmuseum und der Stiftung Preußische Seehandlung entspringen. Auch für die Ausstellung der Preisträger des Vattenfall Kunstpreises und den GASAG Kunstpreis ist die Berlinische Galerie Gastgeber.
Mit der Planung für das neue Haus in der Alten Jakobstraße, einem Neubaugebiet der Internationalen Bauausstellung von 1987 – das Areal in der Südlichen Friedrichstadt war im Februar 1945 einem der letzten Bombenangriffe zum Opfer gefallen - verstärkte das Museum seine Bemühungen um die museumspädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. In Zusammenarbeit mit Jugend im Museum e. V. entstand das Atelier Bunter Jakob, eine Malschule für Kinder. Seither gehören Kurse in fast allen künstlerischen Techniken, Projekttage für Schulklassen, das offene Atelier und Kindergeburtstage zu den gern genutzten Angeboten für Kinder und Familien.
Der Beginn bis zur Gegenwart
Angefangen hat alles in einem Büro in der Charlottenburger Schloßstraße. Ausstellungen fanden da statt, wo es gerade möglich war, zum Beispiel in der Akademie der Künste im Hansaviertel, der Neuen Nationalgalerie oder im Künstlerhaus Bethanien. Für fast zehn Jahre nahm die Galerie Quartier in der Jebenstraße am Bahnhof Zoo. Als der Martin-Gropius-Bau nach Rekonstruktion 1986 wieder genutzt werden konnte, bezog das Museum Räume im Obergeschoss, wo es Ende der 1990er Jahre wegen Umnutzung des Gropius-Baus wieder auszog.
Gründungsdirektor und Initiator der Berlinischen Galerie war Eberhard Roters. Das Konzept des 1929 in Dresden geborenen Kunsthistorikers ging von der Frage aus, wie reagiert Kunst auf die Stadt und die Stadt auf Kunst, weshalb er das Sammlungsspektrum der Bildenden Künste um die künstlerische Fotografie und um Architektur und Stadtplanung erweiterte. Ziel der Gründungsinitiatoren war es, ihrer Heimatstadt angesichts der enormen Verluste durch die NS-Kulturpolitik, durch die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Künstlern und durch die Kriegsschäden Kulturgüter zu erhalten und zu gewinnen, die den sozialen und mentalen Habitus der Metropole charakterisieren und die von Berlin und Deutschland ausgehenden weltpolitischen Erschütterungen, Brüche und Katastrophen reflektieren, mithin die Identität Berlins und seiner Bürger stärken.
Roters’ Nachfolger, Jörn Merkert, 1946 in Bremerhaven geboren, Studium der Kunstgeschichte Archäologie und Geschichte, setzte das Werk seines geschätzten Vorgängers fort, führte das Museum durch die Zeit des Mauerfalls, in der sich über Nacht der Sammlungsauftrag radikal verändert hatte: Aus der Westberlinischen Galerie wurde eine Gesamtberlinische Galerie. Aus dem von einem Förderverein geführten Museum wurde ein Landesmuseum in Gestalt einer Stiftung Öffentlichen Rechts.
Wegen Umnutzung des Gropius-Baus verlor das Museum sein Jahrzehnte währendes Domizil. Es begann eine nervenaufreibende Suche nach einem neuen Standort. Die Sammlung ging in dieser unbehausten Zeit auf Wanderschaft durch halb Europa. Unter dem passenden Rubrum „100 Jahre Kunst im Aufbruch“ wurde sie erfolgreich in Bonn, Grenoble, Valencia, Porto, Budapest und Prag gezeigt. Am 3. September 2002 gab es Planungssicherheit für das neue Museum. Der Senat entschied sich für einen Gebäudekomplex, den die Architekten Heinz Gestering und Horst Grützner in den 1960er-Jahren für die Berliner Glasergenossenschaft gebaut hatten.
In Abstimmung mit der Berlinischen Galerie führte der Architekt Jörg Fricke den Umbau durch, der an die DIBA Industriebau AG vergeben wurde. Das Budget war bescheiden und betrug gerade einmal 18,7 Mio. Das alte Glaslager, gedacht auch als Reserve in den Zeiten des Kalten Krieges, bot der vielgestaltigen Sammlung ideale Raumproportionen. Vertikale und horizontale Teilungen verwandelten die 60 Meter im Quadrat messende und 11 Meter hohe Halle mit umlaufender Galerie und gegenläufiger Freitreppe in ein elegantes, großzügiges und luftiges Museum ohne Türen, dafür mit Durchbrüchen und Durchblicken.
Für den Außenraum wurde ein Kunstwettbewerb in Zusammenarbeit mit dem Bereich „Kunst im Stadtraum und am Bau“ der Senatskulturverwaltung ausgelobt. Zwei Künstler erhielten den Zuschlag. Fritz Balthaus’ Arbeit Marked Space - Unmarked Space, ein Kunstbeitrag zum Äußeren der Berlinischen Galerie, widmete sich dem Eingang, der Wandscheibe und den Fassaden; die Architekten Kühn Malvezzi übernahmen die Vorplatzgestaltung sowie die Möblierung durch Sitzgelegenheiten und Baumpflanzungen. Das rapsgelbe Buchstabenfeld wurde inzwischen zu einem Markenzeichen der neuen Berlinischen Galerie, die am 22. Oktober 2004 feierlich und festlich eröffnet wurde. Nach siebenjähriger Abwesenheit kehrte das Landesmuseum in die artenreiche Berliner Museumslandschaft zurück.
Leitungswechsel
Seit 2010 ist Dr. Thomas Köhler, Jahrgang 1966, neuer Leiter der Berlinischen Galerie. Er führte zuvor die Abteilung Kommunikation und Visuelle Bildung im Kunstmuseum Wolfsburg, dem er 2005 als Interimsdirektor vorstand und hat und hat - wie auch seine Vorgänger -Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Romanistik studiert.
Der Förderverein Berlinische Galerie e. V., der das Museum und seine Aktivitäten unterstützt, besteht seit 1975 und zählt derzeit 1.400 Mitglieder.
Innerhalb des Fördervereins gibt es seit 2008 für Kunstinteressierte zwischen 18 und 35 „Jung und artig“ - Junge Freunde der Berlinischen Galerie.
Für geschäftliche, gesellige und private Zwecke können Museumsräume gemietet werden; besonders geeignet ist das 280 Quadratmeter große Auditorium, das 230 Personen Platz bietet. Neben der Bewirtung der Museumsbesucher bietet das Café Dix auch Catering-Leistungen an.